Diplomandinnen erhalten iF communication design award 2008

Justyna Haronski und Jacqueline Scheibel werden im September für ihre Diplomarbeit: “you are always on my mind” über die Rockabilly-Szene in Deutschland und den Niederlanden mit dem international begehrten Designpreis ausgezeichnet. Ort der Preisverleihung ist in München.
 
Besser gehts nicht: Knapp einen Monat nach einer in allen Punkten stimmigen und emotionsgeladenen Diplompräsentation an der Ruhrakademie werden die jetzt im doppelten Sinne “ausgezeichneten” Designerinnen Justyna Haronski und Jacqueline Scheibel mit einem “iF communication design award 2008″ nobiliert.
 
Insgesamt bewarben sich in diesem Jahr 1290 Gestalter aus 16 Ländern, wobei der Anteil an eingereichten Arbeiten aus Asien besonders groß gewesen sein soll. Im Rahmen eines Festaktes werden im September in München die 310 Preisträger/innen geehrt. Erst am Abend der Preisverleihung werden Justyna Haronski und Jaqueline Scheibel darüber informiert, ob sie auch zu den Gewinnern der 30 “iF gold awards” zählen, deren Arbeiten zu den 30 besten des Wettbewerbs gehören.
 
Erste Reaktion der Ruhrakademie-Absolventinnen: “Zu schön, um wahr zu sein.”
 
 
http://www.ifdesign.de/
 
 
NOTIZEN ZUR DIPLOMARBEIT VON JUSTYNA HARONSKI UND JACQUELINE SCHEIBEL
 
Erinnern sich Zeitgenossen an die Fünfziger Jahre, wäre manch einer froh, wenn dieses Jahrzehnt gleich aus dem Kurzzeitgedächtnis gelöscht worden wäre. In der Bundesrepublik war es die bleiernde Zeit der Adenauerära, die Zeit des kollektiven Verdrängens, Vergessens, Schweigens und Verschweigens, der Verbote, um nicht ständig an die Schuld des zwölf Jahre währenden “tausendjährigen Reiches” erinnert zu werden. Niemand hinderte Lehrer und Eltern an schwarzer Pädagogik. Im Alter von 14 Jahren begannen Jugendliche in der Regel mit ihrer Lehre, ab 21 waren sie volljährig. Frauen mussten per Gesetz den ehelichen Pflichten nachkommen. Männer konnten den Arbeitsvertrag der Ehefrauen kündigen. Homosexualität stand unter Strafe.
 
In diesem von Traumata geprägten Wiederaufbaujahrzehnt drangen jugendliche Erweckungssignale über den großen Teich geradewegs in die tauben Gehörgänge der Bundesrepublikaner. Es waren wilde, laute, schnelle Rhythmen, die der Bigotterie der Adenauerära gehörig den Marsch bliesen.
 
In Verbindung mit einer rebellischen Attitüde und nonkonformer Hipster-Mode eines James Dean ließen die Schallwellen der “White Negros” (eine Wortschöpfung von Publitzer-Preisträger Norman Mailer) die eng geschnürte Moral-Zwangsjacke förmlich explodieren. Die Jugendlichen widersetzten sich von jetzt auf gleich dem inneren Gleichschritt der Elterngeneration und deren auf Gleichschaltung dressierten Lebensstil. Diese Elterngeneration träumte vom Italienurlaub, phantasierte von einer Freiheit, der Schnulzensänger Rudi Schurike die kitschige Unterzeile widmete: “Wenn auf Capri die rote Sonne im Meer versinkt.”