Cornelius Popovici

25.08.2008 12:10

Das schweigende Medium Fotografie ist für den stillen Beobachter Cornelius Popovici (*1974) das passende Ausdrucksmittel, um mit seinem speziellen Dokumentarstil einen privaten Blick auf soziale Zusammenhänge zu richten. Popovici, er studierte von 1995 bis 2002 an der Ruhrakademie zunächst freie Kunst und wechselte dann zur Fotografie, geht als Fotokünstler seinen eigenen Weg. Bewusst verzichtet er darauf, auf dem Markt für angewandte Fotografie tätig zu sein.

 

»An Technik habe ich kein Interesse«

 

Ein Missverständnis klebt an der Fotografie wie ein lästiges Insekt am Fliegenfänger. In dieser Hinsicht hat die Fotoindustrie ein bewundernswertes Marketing betrieben. Die daraus folgende Anschauung: Man müsse zuallererst die Apparatetechnik perfekt beherrschen, bevor man ein Thema angemessen umsetzen kann, ist eine hartnäckig kolportierte Fehlinformation. Nach diesem propagierten Prinzip werden reine Handwerker ausgebildet, die technisch perfekte Fotos herstellen können, aber Bilder, die im Gedächtnis haften bleiben und von der Stilistik einem bestimmten Fotografen zugeordnet werden können, entstehen nach intuitiven Abläufen, auf welche die Strategen der Fotoindustrie keinen Einfluss haben.

 

Eine gewagte These? Sieht man sich einige Biographien von stilbildenden Fotografen an, stellt sich diese Frage erst gar nicht. Weder Nan Goldin noch Larry Clark noch Richard Billingham oder Boris Mikhalov sind wegen ihrer brillanten Technik berühmt geworden. Viel mehr haben sie einen festen Platz in der Fotogeschichte wegen ihres speziellen Blicks eingenommen. Die genutzte Technik spielt eine eher untergeordnete Rolle.

 

Die oben genannten Fotografen bilden das Koordinatensystem, in dem die Fotografie von Cornelius Popovici verortbar ist. In jungen Jahren siedelte er mit seiner Familie von Bukarest nach Iserlohn. Im kommunistischen Rumänien sind zu Stalins Zeiten vier Mitglieder seiner Familie in einem Todeslager umgekommen. Seinen hochbetagten Großvater, einstiger Apotheker in Bukarest und Überlebender der so genannten »stalinistischen Säuberungen«, fotografierte er bis zu dessen Tod in der neuen Heimat Iserlohn. Cornelius Popovici hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine konkrete Vorstellung davon, dass in diesen privaten Bildern ein dokumentarischer Wert steckt. Dass diese Arbeit der Impulsgeber für seinen Werdegang als Fotokünstler ist, steht inzwischen außer Frage.

 

Heute hat Cornelius Popovici Anfragen von Galerien, die ihn ins Programm aufnehmen wollen. Allerdings sind die Konditionen für ihn inakzeptabel, zu denen etwa eine bekannte Hamburger Editionsgalerie mit ihm ins Geschäft kommen will. Seit Popovici das Siegerfoto des Wettbewerbs »Myspace one shot« für die »five4select Tour 2008« stellt, wird er regelrecht bedrängt.

 

In welcher Liga Cornelius Popovici spielt, ist an seiner Nominierung für den bundesweit ausgeschriebenen Märkischen Kunstpreis 2007 abzulesen, an seiner Teilnahme an der Hauptausstellung des Stuttgarter Fotosommers 2007 oder am Kodak Nachwuchsförderpreis 2005, übrigens die dritte Auszeichnung des Branchenriesen für einen Ruhrakademisten. Als Popovici in der Visual Gallery der Photokina 2006 seine prämierte Arbeit »I cento passi« vorstellte, zeigte sich auch der britische MAGNUM-Fotograf Martin Parr beeindruckt: »Ich kenne dich!«

 

© 2008 All rights reserved Cornelius Popovici

 

Auszug aus Cornelius Popovicis Arbeitsbiographie

 

PREISE

 

2004 PhotoVision

2005 PhotoVision

2005 Kodak Nachwuchsförderpreis

2006 PhotoVision

2007 nominiert für den Markischen Kunstpreis

2007 Canon ProFashional Award (best selected works)

 

AUSTELLUNGEN (Auswahl)

 

2005 Internationale Fototage Mannheim/Ludwigshafen

2006 Ludwig Forum für internationale Kunst (Lange Museumsnacht)

2006 Visual Gallery der Photokina, Köln

2006 Fashion Museum Hasselt, Belgien

2007 Hauptausstellung Fotosommer Stuttgart

2007 Heimatdesign, Dortmund

2008 Photobiennale Thessaloniki, Griechenland

2008 Select on Tour (Berlin, Leipzig, Hamburg, Essen, Köln)

2008 Galerie Lindner & Schidlowski, Münster

 

Veröffentlichungen in Katalogen und Fachpublikationen

 

 


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