Alles ist wirklich, nichts ist echt.
14.05.2008 10:45
Alles ist wirklich, nichts ist echt.
Ruhrakademie-Dozent Hans-Jörg Holubitschla stellt in Zürich aus.
Noch bis zum 20. Uni 2008 läuft Hans-Jörg Holubitschkas Ausstellung "Die
Farben der Landschaft" in der Zürcher Galerie Mercedes Benz Automobile
AG.
Für Holubitschka ist dieser Soloauftritt in der Schweizer
Bankenmetropole eine weitere Station auf seinem kontinuierlich
beschrittenen Weg, das klassische Malergenre ?Landschaft?, dem das
Ansehen von klebriger Süßlichkeit anhaftet, in die Gegenwartskunst
zurückzuholen. Dazu nutzt der 48-Jährige Ruhrakademie-Dozent die
Irritation knalliger Farben, die seinen Großformaten eine Suggestivkraft
verleihen, von der auch der britische Werbemogul und Initiator der
"Young British Artists" Charles Saatchi überzeugt war und Holubitschika
in seine Kunstsammlung aufnahm.
Anfang der Neunziger ließ vermutlich Saatchi drei Landschaftsbilder von
Holubitschka im Londoner Auktionshaus Sothey?s wieder versteigern. Wie
viel die Arbeiten erlöst haben? Unbekannt. Bekannt ist, dass Saatchi die
"Kunst liebt wie der Wolf die Lämmer".
Holubitschkas Malstrategie ist alles andere als einfach. Er muss, wenn
er in seinem abgedunkelten Atelier unter Neonlicht arbeitet, die
zeitgenössische Fotografie mitdenken, die Kitschpostkarten und natürlich
die Geschichte der Landschaftsmalerei selbst. Innerhalb dieses
"semiotischen" Bermudadreiecks deutet Holubitschka scheinbar bekannte
Landschaften um. Mit einem Wort: Nichts ist auf seinen Bildern wie es
scheint. Alles ist wirklich, nichts echt. Hat die Wirklichkeit abgedankt
und existiert einzig noch in Repräsentationen?
Mit dieser Simulations-Rhetorik von Wirklichkeit beschäftigt sich auch
Holubitschkas Lehrer an der Düsseldorfer Kunstakademie, Gerhard Richter,
der weltweit bedeutendste lebende Künstler, von dem Holubitschka 1988
den Meisterbrief erhielt. In einem Interview, das im jetzt erschienenen
Katalog "Die Farben der Landschaft" abgedruckt ist, verweist
Holubitschka auf die Stilfindungsphase von Gerhard Richter, der
seinerzeit wider die Pop Art und den Photorealismus eine eigene Position
beziehen musste.
Für Hans-Jörg Holubitschka sind es heute die gefeierten Düsseldorfer
Fotografen Thomas Ruff oder Andreas Gursky, die mit ihren am Rechner
konstruierten neo-neo-sachlichen Landschaftssimulationen die Malerei
herausfordern. Ihnen entgegen hält der Ruhrakademie-Dozent den
intellektuellen Gebrauch von berauschender Farbe.
Übrigens: Im Ranking der weltweit über 114.000 bei artfacts.com
gelisteten Künstler, wozu Warhol und Picasso und all die anderen
lebenden und bereits verstorbenen Großkünstler zählen, ist der
Düsseldorfer Hans-Jörg Holubitschka im Jahre 2007 auf Platz 29041
geführt.
28. März bis 20. Juni 2008
Hans-Jörg Holubitschka: "Die Farben der Landschaft"
Galerie Mercedes Benz Automobil AG
Hagenholzstraße 111
8050 Zürich/Schweiz
Aus Anlass der Ausstellung ist eine Begleitpublikation im Verlag Nimbus,
Kunst und Bücher erschienen: 104 Seiten, 26 Euro
Katalog "Die Farben von Urbino"
Verlag Nimbus. Kunst und Bücher.
ISBN 978-3-907142-31-8
