Christoph Hein / 3D-Animation
09.08.2008 15:05
Die von digitalen Medien ausgehende Revolution erfasst nahezu alle Bereiche der Bildproduktion. Ob im Film, im Designsektor, der Fotografie - digital generierte Bilder erweitern und verändern die Darstellungsformen, machen einst für unmöglich gehaltene Sichtweisen sichtbar, revolutionieren ganze analoge Zweige und bringen neue Bilderwelten auf der Basis von kryptischen Ziffern hervor. Genau genommen weiß aber keiner so genau, wohin die Reise geht. Noch sind die Entdecker nach ihrem Vorbild Kolumbus auf der Suche nach dem wunderbaren Datenland.
Für Christoph Hein wird sich in absehbarer Zeit kaum etwas ändern. Auch nach dem Diplom im Fach Computeranimation wird der Gevelsberger täglich zur Ruhrakademie nach Schwerte fahren, im 1. Stock des Haupthauses seinen Rechner hochfahren und an der Fortentwicklung virtueller Bilderwelten arbeiten. Christoph Hein arbeitet in der Firma »Puppeteers« seines Dozenten Martin Becker als Senior Artist, der wiederum mit anderen Digital Artists, die wie er an der Realisierung des hierzulande ersten am Rechner erzeugten Kinofilms »Back to Gaya« gearbeitet hat, das Jungunternehmen aus der Taufe hob.
Als beim genetischen Roulette die Talente verteilt worden sind, muss Christoph Hein des Öfteren hier gerufen haben. Anders lässt es sich nicht erklären, wie jemand auf den unterschiedlichen künstlerischen Feldern eine so hervorragende Vorstellung liefern kann. Im Jugendalter spielte er die 2. Violine im »Hagener Barockorchester«. Später als Sänger und Gitarrist der Band »Bughouse« veröffentlichte Christoph Hein insgesamt sieben CDs. Er ist Zeichner, bekam im 1. Semester seines Studiums als Teilnehmer der 7. Internationalen Fototage 2005 in Mannheim/Ludwighafen den Ritterschlag als Fotograf. Inspiriert von Nam June Paik widmete er sich dem Experimentalfilm und nicht zuletzt gilt Christoph Hein in den Reihen der »Puppeteers« der Allrounder, kurz gesagt: Christoph Hein ist ein Könner.
Von außen betrachtet mag das dick aufgetragen klingen. Aus der Innensicht ist diese Zuschreibung eher zurückhaltend formuliert. Wem dies zu hoch gegriffen ist, kann sich gerne Christoph Heins Diplom-Präsentation Mitte Oktober an der Ruhrakademie ansehen und sich selbst ein Bild davon machen, inwieweit diese Zuschreibung zutrifft.
Wie nicht anders zu erwarten, betritt der 34-jährige in seiner Diplomarbeit digitales Neuland. Als realen Auftrag des Marktführers für Sanitärarmaturen entwickelt Christoph Hein ein interaktives Kundenmagazin. Idee ist der Verzicht auf gedrucktes Papier. Also weg vom herkömmlichen Katalog. Dies spart Produktionskosten bei der Herstellung, ermöglicht dem Interessanten an Sanitärarmaturen virtuell durch ein exklusiv eingerichtetes Badezimmer zu streifen, die Lichtstimmungen zu wechseln oder bei Bedarf aus dem Sortiment an Armaturen entsprechend ausgewählte Stücke an seinem Einsatzort zu positionieren.
Die Simulation von Realität hat Fotoqualität. Jedes Detail hat Christoph Hein am Rechner gebaut. Eine sehr zeitaufwändige und rechnerintensive Leistung, die allein über ein Jahr an Vorbereitungszeit bedurfte bis das dreidimensionale Ergebnis proportionsgenau fertig gestellt ist. In einem weiteren Teil des Magazins sind von Christoph Hein die vom Hersteller vorgesehenen Montageanleitungen in 3D umgesetzt. »Das Magazin wird ein Prototyp, den es in der Form noch nicht gegeben hat«, sagt Christoph Hein. Seien wir auf seinen Auftritt im Oktober gespannt.



