Katrin Humpert / Kunst

22.03.2009 20:12

Ruhrakademie-Diplomandin Katrin Humpert erzählt in ihren großformatigen Bildern eine frei erfundene Geschichte über den Aufstieg, die Blüte und den Verfall einer Frau. Dazu nutzt sie verschiedene Mischtechniken der Malerei, verbindet diese mit Kohle-, Kreide- und Tuschezeichnungen, collagiert ihre Arbeiten teilweise mit Stoff und Papier. Ihre Idee ist es, in ihren Frauenfiguren die im Studium erlernten Techniken miteinander zu verbinden.

 

»Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit«, sagte der Wortakrobat Karl Valentin. Beim Blick in das Atelier von Katrin Humpert, das im Schlossturm von Haus Ruhr über eine Spindeltreppe zu erreichen ist, bekommt man ein Gespür für den Sinngehalt dieses Valentin-Aphorismus. In der Umkehrung könnte dieser mit einem Augenzwinkern formulierte Sinnspruch auch lauten: Viel Kunst ist das Produkt schöner Arbeit.

 

Was Kunst allerdings mit einem während der Auseinandersetzung mit dem Thema macht, welche Selbstzweifel im seelischen Inventar die Phantasie aufs intellektuelle Glatteis führen können; die Sorge vor dem Scheitern ist allgegenwärtig. Kunst ist schön im romantischen Sinne, im wahrsten Sinne arbeitsintensiv, oftmals überraschend schön hässlich als Ausdruck eines zeitdiagnostischen Befundes, ein Rückgriff auf das Gestrige, letztlich eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der jeweiligen Kunstdisziplin.

 

Auf dem Boden der Tatsache, im Maleratelier von Katrin Humpert, das subjektiv empfunden an den spartanischen Charme einer Zelle erinnert, an ein spirituelles Trainingslager der Selbstdisziplin, sind Teekocher und Radio die wichtigsten Utensilien. Ohne diese Errungenschaften der Moderne ginge »gar nichts«, sagt sie. »Die meiste Zeit brütet man vor sich hin. Und: Man verlernt hier oben im Turm das Erzählen.«

 

Im Hinblick auf den Tag X im April 2009, wenn sie der Prüfungskommission der Ruhrakademie ihre Arbeiten vorstellt, geht es ihr vor allem um eins: Die Hauptsache sei, elf gute Bilder abzuliefern. Das Thema selbst, ergänzt sie, entwickelt sich beim Arbeiten. Eine zurückhaltend formulierte Zielvorgabe. Schließlich kann niemand mit dem Hirn von Anderen denken.

 

Vordergründig handelt Katrin Humperts Diplomarbeit von einer machtbesessenen und in letzter Konsequenz an maßloser Selbstüberschätzung gescheiterten Frau, die sich manipulativ ins Glanzlicht der Macht gesetzt hat. Angesichts der Wirren auf dem Kapitalmarkt ein nahe liegender Ansatz. Jedoch liefert nicht die Jetztzeit den Handlungsbogen für diese Diplomarbeit. Katrin Humpert greift auf geschichtliche Stoffe zurück wie auf die tragische Lebensgeschichte der im 1. Weltkrieg ein raffiniertes Spiel spielenden Doppelspionin Mata Hari (1876–1917).

 

Malerisch zitiert Katrin Humpert Mata Haris Zeitgenossen, den tschechischen Jugendstilmaler Alfons Maria Mucha (1860–1939) und dessen Genrekollegen, den Österreicher Gustav Klimt (1862–1918). Am zeichnerischen Werk von Albrecht Dürer (1471–1528) orientiert sich Katrin Humpert ebenfalls, um ihrem Anspruchsdenken zu genügen, das Spektrum an erlernten künstlerischen Techniken in ihre Bilderwelten einzupflegen.

 

23 Jahre ist sie jetzt alt und voller Zuversicht. Nach dem Besuch der Höheren Handelsschule in Hüsten wusste sie, welchen Berufsweg sie auf gar keinen Fall gehen will. »Dafür kann ich meine Betriebsbücher führen und den Jahresgewinn herunterrechnen.« Eine Ironikerin?

 


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